Hallo liebe Blogleser,
vieleicht bist du auf meinen Blog gekommen weil du irgendwo in der Freakblogwelt ein Post von mir gelesen hast, der dich verstört hat oder auch nicht – ist auch egal. Ich gehe davon aus, das die meisten mich von Freak-Blogs kennen, deswegen möchte ich heute mal etwas persönliches zum Thema Jesus-Freak schreiben. Es ist so eine Art „Bekenntnis“ oder man könnte auch sagen ein IST-Zustand in Bezug auf mein „Jesus-Freak“-Sein oder Nichtsein.

Ich war einmal ein Jesus Freak. Ich machte Dinge für Jesus die mir heute wohl peinlich währen. (z.B. mit einem neongrünen Zwei-Meter-Kreuz mit anderen Leuten durch die Stadt zu ziehen und Lobpreis zu machen, mit dem Auto durch die Gegend zu fahren und „Jesus liebt euch“ brüllen und noch ein paar andere Sachen). Ich gründete mit einer Handvoll Leuten ein Freakgruppe mitten in der Pampa, die schnell wuchs und bei Christen und Nichtchristen Gesprächsthema wurde. Ich fuhr sehr gerne zu allen möglichen Freaktreffen (Regio, Willow und so weiter). Jesus Freaks Forever – das wäre damals ein gutes Motto gewesen. Als Taade beim Willo 2002 in Hamburg einen Aufruf machte: „Willst du ganze Sache mit Jesus Freaks machen und nicht nur ein paar Jahre als Übergang“ konnte ich voller Überzeugung ja sagen.
Seitdem ist viel passiert. Studium, Heirat, Job, Gemeindewechsel (in eine Heilsmaree/Jesus Freakgemeinde die nicht mehr so chaotisch war). Alles verlief soweit prima und unmerklich traten Veränderungen ein. Zuerst merkte ich das die Leidenschaft weg ging, das vieles „normal“ wurde, nicht super, nicht schlecht – normal eben. So plätscherte es eine ganze Weile dahin. Letzes Jahr begann dann ein Projekt meine Aufmerksamkeit zu gewinnen: das Freakhotel, das mein Bruder als Vision hatte. Meine Überzeugung war, der Bewegung im Hintergrund zu dienen, indem ich (und später auch meine Frau) dieses Projekt mit unterstütze mit Zeit, Energie, Kompetenz (soweit die vorhanden war) und Geld.
Dieses Projekt ist im Sommer diesen Jahres beerdigt wurden – wie ein Komet der kurz hell und stark aufgeleuchtet war – um dann in der Dunkelheit zu verschwinden. Parallel zum sinkenden Stern des Hotels bemerkte ich wie auch der Stern der Jesus Freaks aus meiner Sicht erheblich an Glanz verloren hatte. Die Faszination die ich noch vor Jahren beim Betrachten hatte, war weg. Übrig blieb durch den Blick meines Fernrohrs ein kalter großer Eisklumpen der plannlos durch das Weltall fliegt.
Ganz davon abgesehen kann ich für mich die Bezeichnung „Jesus Freak“ nicht mehr reklamieren, es wäre heuchlerisch. Ich bin nicht mehr radikal und wenn dann nur noch in der Kritik. Ich habe nicht mehr die Leidenschaft die solch eine Bezeichnung verdient hätte. Mein Leben ist einfach zu normal, um es so zu bezeichnen, das ist schon daran festzustellen das es mich ärgert wenn jemand aus unserem Haus den Müll in die falsche Tonne geschmissen hat oder ich an Wänden irgendwelches Geschmiere sehe . Ich höre kein Hardcore mehr sondern Coldplay und Chilloutmusik was wohl einen ähnlichen Effekt wie Ritalin hat, zumindest bei mir. Kurz und gut mich reißen die Dinge nicht mehr vom Hocker die es vor Jahren getan haben. Nächstes Jahr kein Freakstock? Mir egal. JFI meldet Konkurs an? Pffft… Das ist im Prinzip meine Gemütslage. Na gut nicht ganz. In letzer Zeit habe ich mich über bestimmte Dinge bei den Freaks maßlos aufgeregt, aber das liegt vieleicht daran, das ich heute mehr Wert auf Perfektion lege als noch vor Jahren.
Bedeutet das das ich nicht mehr in die Gemeinde gehe?
Nein, warum – bis jetzt kenne ich keine bessere Alternative.
Trete ich bei den Freaks aus?
Nein, „Austreten“ kann man nur auf der Toilette oder aus der Kirche. Und selbst wenn – wieso sollte ich? Ich weis ja, das ich nicht der Einzige bin der nur noch das Label trägt und wenn es im Moment nur den Zweck hat, der Stachel in meinem bequemen Fleisch zu sein.
Irgendwann wird wieder eine Welle kommen und die werde ich dann erklimmen – jetzt ist die Zeit noch nicht gekommen.
P.S. Mit „Welle“ meine ich keine neue Super-Gemeinde-Bewegung sondern eine Motivations bzw. geisterfüllte Welle.